Wegenetz des Landschaftsplans geringfügig erweitert
4.1.06:
Das Wegenetz des Landschaftsplanentwurfs Wahner Heide für den Rhein-Sieg-Kreis, also die südliche Hälfte der Wahner Heide, beinhaltet geringfügige Erweiterungen. Der Landschaftsplan lag im Dezember offen, die Einwendungen werden nun durch den Kreis geprüft, um einen überarbeiteten Entwurf beschließen und genehmigen lassen zu können.
Das Wegenetz geriet in der Vergangenheit immer wieder in die Kritik, weil die Erholungslenkung gerade in den touristisch am stärksten frequentierten Bereichen, in dem Freiflächenkorridor Fliegenberg-Moltkeberg-Krammetshügel, nicht funktioniert, und weil unterschiedliche Seiten immer wieder meinen, Ansprüche auf zusätzliche Wege geltend machen zu müssen.
Die Verbände im Bündnis Wahner Heide halten das geplante Wegenetz grundsätzlich für geeignet.
"Ein Weg über den Moltkeberg wäre sinnvoll und wollten auch alle, nur ist die Kontamination laut Aussage des Kampfmittelräumdienstes noch zu stark. Ein zusätzlicher Weg zwischen Moltkeberg und Krammetshügel ist im neuen Wegenetz auf der Feldbahntrasse vorgesehen. Unter der Voraussetzung, dass der Freiflächenkorridor nach Norden bis zum Planitzweg erweitert werden würde, wäre kein zusätzlicher Weg in diesem Bereich erforderlich," sagt Bündnis-Sprecher Holger Sticht.
Eine Reformierung der Beschilderung, d.h. insgesamt deutlich weniger Schilder, die aber eindeutige und umfassende Information transportieren, ohne dabei eine Drohkulisse aufzubauen, sei laut Sticht ebenso notwendig wie eine bessere Schulung und ggf. ein Austausch von Kontrollorganen.
"Die Bundesförster, die ständig nur mit dem Auto unterwegs sind, um Fußgängern erklären zu wollen, wie schädlich sie sich verhielten, konterkarieren sämtliche Bemühungen des Kreises zur Erholungslenkung", sagt Sticht.
Diese Defizite beträfen aber alle nicht das Wegenetz selbst.
Die Erfahrung zeige, dass die Menschen immer in die Heide streben, weil die Heide im Gegensatz zu bewaldeten Flächen rares Gut sei. Waldwege als Ersatz für Heidewege seien daher nutzlos. Und es sei weder sinnvoll noch umsetzbar, Interesse an der offenen Heide in irgendeiner Form verhindern zu wollen, man müsse es aber, um auch störungsempfindlichen Tierarten, aber auch Ruhe suchenden Menschen gerecht werden zu können, kanalisieren, d.h. bestimmte Wegebeziehungen freigeben und attraktiv machen als Ersatz für die Sperrung anderer. Und die Kanalisation müsse, nach Vorbild in anderen Großschutzgebieten, nicht erst am Waldrand oder in der Freifläche beginnen, sondern am Ausgangspunkt der Besucherströme.
Gerade auch im Sinne der Besucher, die die Wahner Heide achten und diese auf ihren Wanderungen genießen wollen, sei es unumgänglich, endlich den Parkplatz Stellweg-Fliegenberg zu sperren.
"Wir haben am Mauspfad 7 Parkplätze, von denen 5 nicht annähernd ausgelastet sind. Von diesen Parkplätzen benötigt man 10-15 Minuten länger bis in die offene Heide. Wem die Heide wirklich am Herzen liegt, und nur die können wir hier gebrauchen, der nimmt dies gerne in Kauf. Diese Sperrung würde die Besucherströme entzerren und so den Erlebniswert in der Heide steigern", sagt Sticht.
Das sei wie mit den Bergen. Wer eine Seilbahn, also entsprechende Naturzerstörung, benötige, um einen Berg zu "besteigen", der habe im Gebirge nichts verloren.
Als Ersatz hat das Bündnis Wahner Heide zusammen mit dem VCD bereits vor Jahren vorgeschlagen, in Höhe des jetzigen Parkplatz Stellweg eine Bedarfshaltestelle des Bus 506 einzurichten. "Wer nicht gut zu Fuß ist, dem blieben also nach wie vor alle Möglichkeiten."
Eine weitere Öffnung des Planitzweges sei laut Sticht Unsinn.
"Es ist immer wieder merkwürdig, dass ausgerechnet diejenigen, die sich am wenigsten für den Schutz der Wahner Heide engagiert haben, am lautesten schreien, wenn es darum geht, zusätzliche Wege in der Wahner Heide zu öffnen", sagt Sticht. "Wer was haben will, der soll erstmal seinen Beitrag zahlen!"
Das Wegenetz des aktuellen Landschaftsplanentwurfes sieht einen zusätzlichen Zugang für die Porzer Bevölkerung von der Linder Höhe aus vor. Diese sei laut Sticht ideal.
"Das Wegenetz ist im Vergleich zu den Zeiten der Belgier erweitert worden. Der Planitzweg ist aus militärischen Gründen auch heute, wie vor 10 und 30 Jahren, nur etwa zur Hälfte passierbar. Das macht auch aus naturschutzfachlichen Gründen großen Sinn, weil der zentrale Bereich der Wahner Heide mit störungsempfindlichen großen Tierarten und trittempfindlichen Moorbiotopen ansonsten ohne Puffer mit den Besucherströmen von Porz konfrontiert werden würde." Wer eine Öffnung des Planitzweges wolle, der müsse erst einmal öffentliche Gelder in Kampfmittelräumung und in Erholungslenkungsmaßnahmen investieren. Nur solange Kommunalpolitiker von SPD und CDU wie bisher kein Geld für die Wahner Heide ausgeben wollen, werde sich an der Situation nichts ändern.
"Der ein oder andere Ratsherr tät gut daran, einfach mal seine Arbeit zu machen und im Kreishaus und Stadtrat für die Wahner Heide die Hand zu heben, anstatt mittels populistischer Presseaktionen potenzielle Wähler manipulieren zu wollen", rät Sticht.
A.B.





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