UPS-Logistikzentrum im Camp Spich?
14.12.02
Troisdorfs Bürgermeister Uedelkoven (CDU) war Ende des Jahres einige Tage auf "Dienstreise" in den USA. Wenige Tage später wurde bereits öffentlich verlautbart, dass Beratungen mit dem amerikanischen Großkonzern UPS geführt wurden.
Mancher wünscht sich in Troisdorf einen Logistikpark nach amerikanischem Vorbild.
Offenbar ist Uedelkoven ähnlich wie dem inzwischen frühpensionierten Minister Schwanhold im Sommer vom Unternehmen UPS vor Augen geführt worden, wie toll sich ein firmeneigener Geschäftspark entwickelt habe und welche "Sogwirkung" der Hauptflughafen in Louisville (Kentucky, USA) hinsichtlich der Ansiedlung anderer Firmen habe.
Natürlich würden Massen von Arbeitsplätzen geschaffen werden, mind. 3500 sollen es sein. Die altbekannte Leier also, auf die seit Generationen ein Großteil der Bevölkerung immer wieder hereinfällt. Ein Mal mehr soll es so sein.
Wenn man nicht wüßte, wie schwer die Wahner Heide und anschließend die Bevölkerung solche massiven Bebauungen treffen würde, müßte man es eigentlich nicht mehr ernst nehmen. Wie sagt doch der alte Hasbacher Günter Käding im Buch "Die Wahner Heide - Bilder und Gespräche aus einer Kulturlandschaft": "Da ist alle 20 Jahre irgend so ein Bekloppter gekommen und wollte den Flughafen zu einem Mega-Drehkreuz ausbauen. Das ist jedes Mal in die Hose gegangen!"
Wo will UPS bauen?
Tatsache ist, dass im bisherigen Frachtbereich des Flughafens kein Platz mehr wäre für ein solches "Logistikcenter".
Es müßte nicht in der Wahner Heide entstehen, beispielsweise im "Airport-Businesspark" ist noch jede Menge Platz. Doch der liegt ja auf Kölner Gebiet! Was haben da die Troisdorfer davon?
In der Wahner Heide gibt es drei Möglichkeiten, von denen eine schlimmer ist als die andere.
Camp Spich ist eine der beiden frei werdenden Kasernen der Belgier. Im Gegensatz zum Camp Altenrath liegt Camp Spich wenigstens nicht mitten in der Wahnerheide, sondern am Rande.
Das Bündnis WahnerHeide hatte in seiner "Gesamtkonzeption Wahner Heide" vorgeschlagen, hier Schulen, Kliniken, Vereine und mittelständische Betriebe anzusiedeln, und die nicht benötigten Flächen zurückzubauen.
Eine Ansiedlung eines flughafenverwandten Unternehmens bedeutete aber höchstwahrscheinlich einen neuen Flughafenanschluss quer durch die Scheuerbachsenke. Ein nicht ausgleichbarer Eingriff in die zentralen Feuchtgebiete der Wahner Heide. Denn der ganze LKW-Verkehr müßte anderenfalls ja über den Mauspfad einen Umweg nach Grengel machen.
Außerdem ist zu befürchten, dass ein solcher Logistikpark größere Ausmaße bekommen soll als das heutige Camp-Gelände. Nicht umsonst wurde bisher ein naturschutzgebietsfreier Korridor um die Kaserne herum beibehalten! Ein weitere Metastase des Krebsgeschwürs Flughafen bahnt sich an.
Eine zweite Möglichkeit bestände darin, dass man den Frachtbereich auf dem Flughafengelände nach Süden in das Entenbachgebiet hinein erweitern will. Dummerweise ist da das historische Wahner-Heide-Zentrum. Das Entenbachgebiet birgt auch heute noch eine Fülle an seltensten Arten: 4 prioritäre Lebensraumtypen ("prioritär" entspricht dem höchsten Naturschutzstatus Europas), Arnikawiesen und zigtausende Orchideen tummeln sich hier. Denen konnte es bisher eigentlich egal sein, dass ihr Lebensraum durch die Flughafen GmbH gepachtet ist, denn der Flughafenzaun hält nur Säugetiere ab, die größer sind als ein Kaninchen - Pflanzen sowieso nicht.
Allerdings war die Überwindung dieses "Hindernisses" gar nicht notwendig, denn sie waren ja vorher schon da: Diese Bereiche sind 1931 unter Naturschutz gestellt worden, wurden erst 1959 Flughafengelände.
Das Münchner Planungsbüro Grünplan stellte 1994 in dem Landschaftsökologischen Gesamtgutachten fest, dass Eingriffe in die Bereiche des Flughafengeländes südlich der Querwindbahn ökologisch "nicht ausgleichbar" sind.
Eine gutachterliche Stellungnahme von Gorissen aus dem Jahr 1997 untermauert diese Ansicht.
2:0 für die Wahner Heide, könnte man meinen. Doch was interessiert SPD und CDU diese nachhaltig zu bewirtschaftende, ökologisch europaweit bedeutende und geschützte Landschaft, was interessiert die Gesundheit der Bevölkerung?
Das Camp Altenrath als dritte Option wäre besonders verheerend, weil diese Kaserne inmitten des Naturschutzgebiets liegt, umgeben von wertvollsten Heide- und Moorflächen.
Nach Vorschlägen des Bündnis Wahner Heide - die inzwischen selbst durch einige CDU- und SPD-Fraktionen aufgegriffen wurden - würde hier das "Landschaftszentrum Südliche Heideterrasse" angesiedelt werden. Bestehend aus Infozentrum, Ökostation, Heidemuseum, Heidehof und-laden würde von hier aus das gesamte Restgebiet der Heideterrasse inkl. Königsforst und Stallberger Teiche gemanagt werden. Die restlichen vier Fünftel des Kasernengeländes könnten zurückgebaut werden. Eine andere Entscheidung bedeutete die Entscheidung gegen die Entwicklung der Wahner Heide schlechthin.
Würde man sich das Gelände der Flugbereitschaft der Bundesregierung ausgucken, wäre die Argumentation aus Sicht des Naturschutzes schwieriger. "Auf dem Kölner Airport befindet sich immer noch die Bonner Flugbereitschaft der Berliner Regierung, es ist absurd, dass die nicht in der Hauptstadt stationiert ist. Wenn man schon was neues haben will, dann auf Flächen, die schon verbraucht sind. Das würde allerdings nichts an der verheerenden Situaion für die Bevölkerung in den Einflugschneisen und am Rande des Flughafens ändern, und auch nichts an der extrem negativen Umweltbilanz des Flughafenbetriebs hinsichtlich klimarelevanter Emissionen. Deswegen lehnen wir solche Horrorausbauszenarien ab. Was wir in der Wahner Heide brauchen ist eine nachhaltige Nutzung der Landschaft, keinen Verbrauch", sagt Sticht.
In der Tat würde die Belastung für die Bevölkerung enorm steigen, nicht nur durch weiteren Nachtfluglärm, sondern zusätzlich durch den LKW-Zubringerverkehr.
Als wenn das Unternehmen UPS, dem nachgesagt wird, es würde durch die Sekte "Scientology" gesteuert, nicht schon genug Menschen um ihren Schlaf bringen würde.
"Die verlärmen seit Jahren jede Nacht eine ganze Region. Ich kann mir vorstellen, dass eine Boykottkampagne gegen dieses Unternehmen gut angenommen würde", sagt Sticht.
A. Bauer





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