Flughafenerweiterung ökologisch nicht ausgleichbar
10.12.08:
Seit Ende November haben im Bereich des nördlichen Paradeplatzes Maßnahmen zur Wiederherstellung von Heideflächen und Sandmagerrasen stattgefunden. Die Maßnahmen sind aus Naturschutzsicht sinnvoll, denn es handelt sich um Kompensationsmaßnahmen des Flughafens für Flächenverbrauch, der an anderer Stelle der Wahner Heide durch Ausbaumaßnahmen entstanden ist. Außerdem handelt es sich bei dem Paradeplatz in Gänze um eine der ältesten und wertvollsten Heide- und Sandmagerrasenflächen der gesamten Wahner Heide, eine weitere Verbuschung und Bewaldung hätte negative Auswirkungen für zahlreiche Arten und Biotope der Roten Liste gehabt.
Gleichzeitig muss erwähnt werden, dass der Flughafen nach wie vor den südlichen Paradeplatz, wie auch der nördliche Paradeplatz Teil des FFH- und Vogelschutzgebiets Wahner Heide, einzugrenzen zwischen ICE-Trasse und Flughafengelände, in Bauland umwandeln möchte. Entsprechend haben hier bis dato keine Naturschutzmaßnahmen statt gefunden.
20.04.08: Das Gebiet der möglichen Norderweiterung des Flughafen Köln/Bonn gehört zu den wertvollsten Heideflächen der Wahner Heide. Dies geht aus einem Gutachten hervor, dass der Dach- und Förderverein Bündnis Wahner Heide letztes Jahr in Auftrag gegeben hatte und nun veröffentlichte.
Der Südliche Paradeplatz wird von Seiten der Stadt Köln und der Flughafengesellschaft als „Areal Nord“ bezeichnet. Der Bereich gehört seit 1968 zum Naturschutzgebiet Wahner Heide, wurde aber durch NRW-Wirtschaftsministerin Thoben (CDU) im Sommer 2006 im Regionalplan als Flugplatz ausgewiesen und kann daher zukünftig als Flughafengelände verplant werden. Es handelt sich um eine etwa 25 ha große Fläche zwischen Flughafengelände, Autobahnzubringer und dem Tunnelbauwerk der Schienenanbindung.
„Bisher fehlten aktuelle und genaue wissenschaftliche Ergebnisse zum Areal Nord, daher wurde es gern als ökologisch wertlos bezeichnet“, sagt Dr. Dirk Tillmann, Biologe und Sprecher des Bündnis Wahner Heide. Dies sei jedoch jetzt nicht mehr möglich.
44 Arten der Roten Liste sind durch das „Gutachten zum Naturschutzwert des südlichen Paradeplatzes“ nachgewiesen worden. Insbesondere die Ergebnisse zur Tagfalterwelt sind mit 38 gefundenen von 41 in der gesamten Wahner Heide vorkommenden Arten überragend. Damit hat der Südliche Paradeplatz laut Gutachten eine maßgebliche Bedeutung für den Gesamterhalt der Wahner Heide.
Um diese überregionale Bedeutung zusätzlich zu unterstreichen zieht Landschaftswacht und Schmetterlingsexperte Klaus Hanisch einen Vergleich zu Düsseldorf:
„Im gesamten Stadtgebiet Düsseldorfs kommen noch 27 Tagfalterarten vor, hier in diesem kleinen Areal des Stadtgebiet Kölns sind es allein 38!“
In einer Stellungnahme des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) vom 25.10.07 heißt es, das „Gutachten zum Naturschutzwert des südlichen Paradeplatzes“ enthalte wertvolle Informationen zur naturschutzfachlichen Bedeutung des Gebiets.
Die Durchführung von Naturschutzmaßnahmen, für welche sich das Bündnis Wahner Heide angeboten hatte und die laut Bündnis-Gutachten „dringend“ erforderlich sind, wurden den Heideschützern aber untersagt. Laut Landesamt befinden sich im Areal Nord Ausgleichsflächen des Flughafens, entsprechende Naturschutzmaßnahmen seien daher nur vom Flughafen durchzuführen.
Geschehen ist allerdings bis dato nichts.
Natürlich bleibt die Frage, welchen Sinn es überhaupt mache, Heideflächen zu erhalten, wenn diese ohnehin Jahre später bebaut werden sollen.
Dazu Holger Sticht vom BUND:
„Der Flughafen hat bisher keine ökonomischen Bedarfsnachweise liefern können, die vor der EU-Kommission Bestand haben könnten. Daher gehen wir heute, wie seit Beginn der Planung 1995 davon aus, dass der Paradeplatz in Gänze als EU-Schutzgebiet erhalten und entwickelt werden kann.“
Seite 17 des Gutachtens:
IV GESAMTBEWERTUNG
Im Zuge dieser Untersuchung, die nur einen groben Überblick ohne Anspruch auf Vollständigkeit bieten kann, wurden 44 Arten der Roten Liste und weitere 16 Arten der Vorwarnliste festgestellt. Bei Untersuchung weiterer Tier- und Pflanzengruppen wie Flechten, Moosen, Spinnen oder Käfern und umfassenderer Untersuchung der Schmetterlings- und Hautflüglerfauna sind zahlreiche weitere gefährdete Arten zu erwarten.
Trotz nicht unerheblicher Vorbelastungen in Gestalt von Baumaßnahmen, fehlendem Naturschutz und Erholungsverkehr gehört der südliche Paradeplatz angesichts seines Arten- und Biotopinventars zu den herausragenden Offenlandbereichen innerhalb der Wahner Heide. Insbesondere die Artenvielfalt der Vogel- und der Tagfalterfauna ist überragend.
Außerhalb des heutigen Flughafengeländes existieren nur sehr wenige weitere Flächen in dieser Größenordnung mit ähnlicher, kurzgrasiger, hinsichtlich des Arteninventars stellenweise den Kreuzblumen-Borstgrasrasen nahe stehender Vegetation mit zusammenhängenden Beständen von Dreizahn, Hundsveilchen und Quendel-Kreuzblümchen. Die Insektenarten Kronwicken-Dickkopffalter, Braunscheckiger Perlmutterfalter und Feldgrille haben daher einen wesentlichen Vorkommensschwerpunkt innerhalb der Wahner Heide und damit im gesamten Naturraum auf dem südlichen Paradeplatz. Der Große Eisvogel, der im Naturraum der Niederrheinischen Bucht als ausgestorben galt, hat einen von zwei Fundorten in der Wahner Heide am Paradeplatz.
Die durchgängig über Jahrhunderte währende Nutzung und der damit verbundene Nährstoffexport sowie die Bodenverdichtung sind offensichtlich die Ursache dafür, dass die Offenlandbiotope und ein Großteil ihrer Arteninventare trotz fehlender Naturschutzmaßnahmen so lange stabil geblieben sind und sich daher auch zukünftig optimale Naturschutzerfolge bei vergleichsweise geringem Aufwand einstellen dürften.
Der Paradeplatz ist maßgeblich für den Erhalt des Gesamtgebiets Wahner Heide. Ein Verlust des südlichen Paradeplatzes ist ökologisch nicht ausgleichbar. Es ist dringend geboten, Maßnahmen zur Entwicklung von Offenlandbiotopen umzusetzen.





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