Billigflieger zerstören Wahner Heide
30.08.06:
Billig fliegen heißt Klima und Wahner Heide killen – das klingt nach reißerischer Drohgebärde aus vergangenen Zeiten der Umweltbewegung, ist aber leider die traurige Wahrheit.
KLIMA
Weil die Jets in Schichten der Atmosphäre fliegen, in welchen sich die unterschiedlichen Abgase deutlich länger halten und wirken können, steigt die Klimarelevanz der Ausstöße (Kohlendioxid, Stickoxide, Wasserdampf, Rußpartikel) sogar überproportional zum Benzinverbrauch.
Als einfache Gleichung ausgedrückt: Ein Hin- und Rückflug zwischen Deutschland und Teneriffa ist so klimaschädlich wie 1 Jahr Autofahren (14 000 km).
Das Ergebnis ist die weiterhin drastisch ansteigende Erderwärmung, die wiederum zum Anstieg des Meeresspiegels und vielen anderen schwer vorhersehbaren Folgen führt. Ein Anstieg des Meeresspiegels bedingt das Verschwinden von bewohnbarem Land (u.a. Niederlande, Bangladesh). Angesichts steigender Weltbevölkerung und bereits jetzt bestehender Einwanderungsprobleme in allen Teilen der Welt ein Problem, das alle berühren wird.
Der natürliche Treibhauseffekt ist eine Art Wärmestau, der unseren Planeten um ca. 33 Grad aufheizt und so erst bewohnbar werden lässt. Der künstliche, durch den Menschen seit der Industrialisierung immer weiter forcierte Anstieg der Temperaturen, und dazu noch in dieser Geschwindigkeit, bedingt die Probleme, die wir bisher nur ansatzweise zu spüren bekommen haben.
Stand der Wissenschaft ist, dass der Flugverkehr bereits 2005 zu etwa 9 % am neuen Klimawechsel beteiligt war, aber laut der Brüsseler Studie "Clearing the air" nur zu 1 % an der globalen Wirtschaftsleistung und lediglich zu 0,1 % an der Beschäftigung.
FLÄCHENVERBRAUCH
Der Flächenverbrauch der Wahner Heide, dieses landesweit ökologisch wertvollsten Naturschutzgebiets, ist ein regionales Problem, das auch in anderen Regionen der Republik akut ist (z.B. Münster/Osnabrück, München). Die von der rot-grünen Regierung verhinderte, von der neuen CDU-Landesregierung jedoch forcierte Norderweiterung des Flughafen Köln/Bonn ist eine direkte Folge des Antreibens des Billig-Flugverkehrs. Die Schäden sind naturschutzfachlich erwiesenermaßen nicht kompensierbar. Der Artenschwund geht also weiter, der Erholungsnutzen und damit der Erholungsverkehr, der zukunftsverträgliche und nachhaltige Arbeitsplätze in der Region bindet, werden reduziert.
LÄRM
Robert Koch sagte bereits vor vielen Jahrzehnten:
"Eines Tages wird der Mensch den Lärm ebenso bekämpfen müssen wie die Cholera und die Pest."
Etwa 2000 Menschen sind am Flughafen Köln/Bonn beschäftigt, mehr als 10mal so viele werden durch die Lärmemissionen gesundheitlich beeinträchtigt. Das ist nicht nur ein derber Grundgesetzverstoß, das führt auch zu Arbeitsplatzverlusten, weil die geschädigten Menschen vielfach nicht mehr ihrer Arbeit geregelt nachgehen können. Die Volkswirtschaft wird außerdem belastet durch steigende Gesundheitskosten.
WAS ALSO TUN?
Wir brauchen marktwirtschaftliche Mechanismen beim Flugverkehr. Bei Anderem (z.B. PKW/LKW, Bahn, Tabak) treten diese durch Besteuerung ein. Wer was kaputt macht, muss auch dafür zahlen. Für Luftverkehr aber gibt es keine Besteuerung: Keine Kerosinsteuer, keine Ökosteuer, keine Mehrwertsteuer bei außerdeutschen Flügen. Etwa 1 Milliarde EURO geht auf diese Weise dem Staatshaushalt jährlich „flöten“, die er sich an anderen Stellen vom Bürger holt.
Auf der Strecke Hamburg-München beträgt der Preisvorteil der Luftfahrtgesellschaften gegenüber der Bahn aufgrund fehlender Besteuerung 39 EUR.
Und das sind nur die indirekten Subventionen. 134 Millionen EUR sind laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung allein 2003 an öffentlichen Zuschüssen für Flughäfen und Flugbetrieb geflossen. Von Marktwirtschaft kann bei dieser Wettbewerbsverzerrung wohl keine Rede sein, eher von Planwirtschaft.
SPD und CDU haben die Besteuerungen bisher mit dem Hinweis darauf, der Alleingang eines Landes schade der deutschen Wirtschaft, abgelehnt. Mit diesem Totschlagsargument lässt sich allerdings wirklich jede noch so notwendige Reform verhindern. Deutschland ist in Europa nicht allein, es bedarf der Initiative dieser bisher wenigen Länder, um die Kerosinsteuer europaweit durchzusetzen.
WAS SIE SELBST KONKRET TUN KÖNNEN:
1) Fliegen Sie weniger, und überhaupt nicht innerhalb Deutschlands, für diese Strecken gibt es funktionstüchtige Alternativen. Diese Alternativen sind derzeit nur teurer, weil Sie dagegen nichts unternehmen.
2) Wählen Sie bei jeder Wahl, egal ob Kommunal-, Europa-, Landtags- oder Bundestagswahl eine Partei, die für die Luftverkehrsbesteuerung eintritt.
3) Kaufen Sie Regionalprodukte von Biobetrieben und –vertrieben. Blumensträuße und Erdbeeren muss man nicht einfliegen lassen.
4) Schreiben Sie der Bundeskanzlerin und fordern Sie die Besteuerung des Luftverkehrs. Die kennt das Problem als ehemalige Umweltministerin, traut sich aber wegen einflussreicher Großunternehmer nicht, Vernunft walten zu lassen. Schreiben Sie ihr Mut.
Frau Bundeskanzlerin
Dr. Angela Merkel
Bundeskanzleramt
Willy-Brandt-Str. 1
10557 Berlin
H.S.
Quellen: VCD, Atmosfair, Germanwatch, Greenpeace





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