Der Königsforst
Landschaftsschutz im Kommen
Er ist den einen bekannt als "tot" gepflegter Staatsforst, den anderen als grüne Lunge Köln`s. Seit wenigen Jahren ist der Königsforst aber ein Naturschutzgebiet im europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000. Und das nicht umsonst.
Zwar hat die Forstwirtschaft überall ihre deutlichen Spuren hinterlassen, verinselt konnten sich dennoch wertvolle Biotope und seltene Arten halten. Immerhin 5 Lebensraumtypen von europäischer Bedeutung, u.a. naturnahe Erlenauwälder, sind noch punktuell vorhanden. Und diese sollen die Initialzündung für die Wiederbelebung des Königsforstes sein, wie auch die Wiedervernetzung mit der international bedeutenden Wahner Heide im Süden. Die beiden Schutzgebiete liegen unmittelbar aneinander, und Gies-, Mühlen- und Kurtenwaldbach stellen nach wie vor verbindende Wasseradern dar, doch wirkt insbesondere die A3, aber auch die Rösrather Straße als Trennlinie.
Flurnamen wie Wichelterbruch (Wichelter ist ein plattdeutscher Begriff für Wacholder) oder Stachelsheide lassen es noch erahnen: Wo Förster im 20. Jahrhundert monotone Forste zur Holzproduktion pflanzten und pflegten, sah es zuvor aus wie in der Wahner Heide: Naturnahe Wälder und Bachauen neben Heidemooren, Sandmagerrasen und Binnendünen. Das westliche Drittel des Königsforstes - der aspahltierte Rennweg bildet eine ungefähre Grenzlinie - gehört geologisch zur rheinischen Mittelterrasse und weist daher ursprünglich die selben Bodentypen wie das angrenzende, heute international bedeutende Naturschutzgebiet Wahner Heide auf. Der Königsforst ist also Teil des Landschaftsraums Bergische Heideterrasse, und ist aufgrund seines enormen Potenzials seit 1999 bzw. 2001 endlich auch, zumindest zu einem überwiegenden Teil (2519 ha von rund 4000 ha), Naturschutzgebiet. Teil des Naturpark Bergisches Land ist der Königsforst schon seit längerem.
Der Grund für die unterschiedliche Entwicklung von Wahner Heide und Königsforst ist in der unterschiedlichen Eigentümerschaft und in den entsprechend unterschiedlichen Nutzungsarten zu finden. Während in der Wahner Heide die militärische Nutzung andere Nutzungen wie Erholung und Forstwirtschaft, zufälligerweise zugunsten des Natur- und Landschaftsschutzes, stark einschränkte, fehlten diese Restriktionen im Königsforst. Die Folge war eine nahezu vollständige Vernichtung naturnaher Lebensräume und Kulturlandschaftsbiotope. Noch 1983 (!), aller zwischenzeitlichen Aufklärung und wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Trotz, wurde das letzte Heidemoor des Königsforsts durch die Forstverwaltung trockengelegt und mit Fichten aufgeforstet. Das letzte Vorkommen der Moosbeere (Oxycoccus palustris) und des Mittleren Sonnentaus (Drosera media), eines fleischfressenden Moorspezialisten, wurde vernichtet.
Der einzige Standort des Efeu-Moorglöckchens (Wahlenbergia hederacea) in Nordrhein-Westfalen wurde bereits zu Anfang des 20. Jahrhunderts vernichtet. Die Gelbbauchunke (Bombina variegata), die auf Kleingewässer im Offenland angewiesen ist und einst Massenbestände ausbildete, ist seit Jahrzehnten nicht mehr entdeckt worden. Nur ein paar Beispiele für den massiven Artenschwund.
Doch die Unterschutzstellung markiert eine Trendwende. An zwei kleinen Stellen wurden Renaturierungsmaßnahmen zugunsten der wenigen verbliebenen Exemplare der Glockenheide (Erica tetralix) und des fleischfressenden Südlichen Wasserschlauches (Utricularia australis) eingeleitet. Die natürliche Waldentwicklung wird an mehreren Stellen wieder zugelassen, mit schnellen Erfolgen zugunsten seltener Pflanzenarten. Bundesweit hochgradig gefährdete Arten, wie z.B. der Mittelspecht, die Schlingnatter, der Kammolch, die Flutende Moorbinse oder das Knöterich-Laichkraut, die inselartig überdauerten, könnten sich zukünftig bei Ausdehnung der Renaturierungsmaßnahmen und Wiederherstellung der Kulturlandschaftsbiotope wieder ausbreiten und stabile Bestände ausbilden. Es ist also wieder vieles möglich, und es bleibt noch viel zu tun.
H.S.
Eine Übersichtskarte über das FFH- und Vogelschutzgebiet Königsforst finden Sie hier:
http://www.natura2000.munlv.nrw.de
Sollten Sie Interesse haben an der Bestandserfassung von Tieren und Pflanzen, insbesondere was Pflanzen und Amphibien anbetrifft, melden Sie sich beim AK Botanik des RBN http://www.bergischer-naturschutzverein.de





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