Wahner Heidemoore
Das Torfmoos ist der Baumeister
Moore entstehen, wenn in staunassen Mulden und Senken (oft frühere Seen) wegen Sauerstoffarmut tote Pflanzenteile nicht vollständig abgebaut werden. Dieses Material wird als Torf bezeichnet.
Die Moorentwicklung ist ein Jahrhunderte andauernder Prozess. Die Zerstörung dieser Lebensräume ist daher meist irreversibel.
SPHAGNUM
In nährstoffarmen Mooren dominieren Torfmoose (Sphagnum spec.). Sie wachsen langsam, aber unbegrenzt. Die unteren Teile sterben ab und vertorfen. Der Torfkörper wächst so um einen bis wenige cm im Jahr in die Höhe.
Torfmoose besitzen große Wasserspeicherzellen. Sie können das über 20-fache ihres Eigengewichtes an Wasser speichern und es über den eigentlichen Grundwasserspiegel emporhalten.
Außerdem bauen sie quasi an ihrem eigenen Lebensraum. Sie tragen zur Versauerung bei und werden dadurch konkurrenzstärker gegenüber anderen Wasserpflanzen.
In der Wahner Heide existiert noch die beachtliche Anzahl von 20 Torfmoosarten.
VEGETATION
Das Pflanzenkleid der Heidemoore ähnelt dem der Hochmoore (z. B. Hohes Venn), obwohl die Heidemoore der Wahner Heide keine Hochmoore sind. Bei uns ist es insbesondere im Sommerhalbjahr zu trocken, als dass ein ausschließlich durch Regenwasser gespeistes Moor heranwachsen könnte. Aber die Böden sind in der Wahner Heide so nährstoffarm, dass die Vegetation, und dementsprechend die Tierwelt, hochmoorähnlich werden konnte.
In noch oder wieder gut vernässten Moorbereichen sind Arten der Schnabelried-Gesellschaft, der Glockenheide-Gesellschaft und der Hochmoorbult-Gesellschaft zu finden.
Charakteristisch sind die von weitem als graugrüne Polster erkennbaren Glockenheidebestände (Erica tetralix).
Während ihrer rosa Blüte im Juli stechen zwischendrin die sattgelben Blütenteppiche der Moorlilie heraus. Diese bundesweit stark gefährdete Art ist aus klimatischen Gründen nur im Nordwesten Deutschlands verbreitet.
Einen Monat früher dominieren die weißen Fruchtstände des Schmalblättrigen Wollgrases (Eriophorum angustifolium). Wie Wattebausche scheinen sie über dem Moor zu schweben. Nur eine der ehemals 4 in der Heide vorkommenden Wollgrasarten hat das verheerende 20. Jahrhundert überstanden.
Populär sind natürlich die fleischfressenden Pflanzenarten, wie zum Beispiel der Sonnentau. In der Wahner Heide kommen der Rundblättrige (Drosera rotundifolia) und der Mittlere Sonnentau (D. media) vor. Sie wachsen in Torfmoosteppichen der Moorschlenken, und treten als Pionierpflanzen abgeschobener oder regelmäßig frei gelegter Torf- und Tonböden auf.
Auf den Blättern sitzen rötliche "Tentakeln", an deren Ende sich die klebrigen "Tautröpfchen" befinden. An dieser Flüssigkeit bleiben kleine Insekten wie Kriebelmücken hängen. Die Tentakeln schließen sich um das gefangene Tier, und es wird quasi bei lebendigem Leibe verdaut.
Es ist eine Anpassung, die der Sonnentau im Laufe der Evolution entwickelt hat, um sich auf nährstoffarmen Standorten eine zusätzliche Nahrungsquelle zu erschließen.
In den Heidemooren finden mehrere Orchideenarten ihren Lebensraum.
Hervorzuheben ist das Torfmoos-Knabenkraut (Dactyloriza sphagnicola), das 1926 sozusagen in der Wahner Heide entdeckt wurde. Etwa 70 % des Weltbestandes dürften in der Wahner Heide vorkommen!
Zwei bundesweit gefährdete Spezialisten der Hochmoorbulten sind die sehr kleinwüchsigen Zwergsträucher Moosbeere (Vaccinium oxycoccum) und Rosmarinheide (Andromeda). Sie besitzen auch in der Heide nur noch wenige Standorte.
FAUNA
Noch schlechter als den Pflanzenarten erging es den Moorvertretern aus der Tierwelt.
Über 100 balzende Birkhähne wurden noch in den Dreißigern beobachtet, in den sechziger Jahren, nach Ausbau des Zivilflughafens, wurden keine mehr gefunden!
Ähnlich erging es der Bekassine (Gallinago gallinago). Der Brutbestand verringerte sich aufgrund der Zerstörungen und Entwässerungen zusehends, bis er in den 90igern erlosch. Bei geeigneten Renaturierungsmaßnahmen könnte die Art jedoch wieder Fuß fassen, so wie es der ebenfalls landesweit vom Aussterben bedrohte Wendehals (Jynx torquata), ein Bewohner der Heide und der Hudewälder, geschafft hat.
Als ausgestorben in NRW galt die Arktische Smaragdjungfer (Somatochlora arctica), ein absoluter Hochmoorspezialist und Reliktart der letzten Eiszeit, bis sie in den achziger Jahren unter anderem in der Wahner Heide wiederentdeckt wurde.
Moorspezialisten unter den Libellen sind auch die Moosjungfern (Leucorinha spec.). 3 Arten wurden in den zwanziger Jahren in der Wahner Heide beobachtet, aktuell ist nur eine kleine Restpopulation der Kleinen Moosjungfer bekannt.
GEFÄHRDUNG
Viele Moore im Gebiet wurden zerstört oder stark geschädigt, so das Linder Moor, das Herfeldmoor oder das Roonhügelmoor. Allein durch den Bau der Großen Parallelbahn des Flughafen Köln/Bonn gingen 4 bedeutende Moore verloren.
Leider sind auch die verbliebenen Moore der Wahner Heide nicht von negativen Einflüssen verschont geblieben. Ende des 19. Jahrhunderts und während der Zeit des Dritten Reiches war es vor allem das Militär, das großflächig entwässerte. Heute werden immer noch Entwässerungsgräben von Militär, Bundesforstamt und Flughafen betrieben.
In entwässerten Mooren findet bald eine Zersetzung des Torfes und damit eine Freisetzung von Nährstoffen statt. Pfeifengras (Molinia caerulea) vermehrt sich stark und verdrängt weniger stark wüchsige Arten. Schließlich wandern Bäume und Sträucher ein, als erstes Birken (Betula pubescens und B. pendula) und Ohren- oder Grauweide (Salix spec.).
Mitte der achtziger Jahre führte das Bundesforstamt nach Plänen des Ökologischen AK Wahner Heide erste Renaturierungsmaßnahmen durch, u.a. in einem Hühnerbruchmoor. Die Flächen wurden entbuscht bzw. abgeholzt.
Um Moore zu erhalten reicht bloße Symptombekämpfung allerdings nicht aus. Die Ursachen der Schädigungen, insbesondere die Entwässerung durch Drainagegräben, müssen behoben werden.
Der Hirzenbachweiher, einst in ganz Mitteleuropa bedeutendster Standort der Sumpforchideenart Weichwurz oder Weichstendel (Hammarbya paludosa), wurde 1971 mit Bauschutt verkippt. Ende der Neunziger wurde der Bereich im Zuge einer Ersatzmaßnahme für die Verbreiterung der Großen Parallelbahn renaturiert. Die Erfolge sind beachtlich, vom Austerben bedrohte Arten wie der Zwergigelkolben entwickelten wieder große Bestände.
Diese wertvollen Ansätze müssen auch in anderen Mooren und Moorgewässern fortgeführt werden, wenn die teilweise kleinen Restpopulationen gefährdeter Arten dauerhaft erhalten werden sollen.





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