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Fettkraut
Gemeines Fettkraut neben Rundblättrigem Sonnentau
© Pierre Lemaire
keulenb
KEULENBÄRLAPP (Lycopodium clavatum)
Ragwurz
Bienen-Ragwurz
© Werner Funken

Neue Pflanzenarten entdeckt

Nahezu jedes Jahr werden in der Wahner Heide neue Arten entdeckt. Meistens sind es Neophyten, also Pflanzen aus anderen Teilen Europas oder der Welt, die seit Entdeckung der neuen Welt durch menschliche Einflüsse zu uns gelangen.
Doch es sind immer wieder Arten dabei, die auf natürlichem Wege aus benachbarten Regionen in die Wahner Heide einwandern, oder die tatsächlich jahrzehntelang nicht mehr entdeckt wurden und daher als verschollen galten.
Ein paar dieser Arten wollen wir an dieser Stelle vorstellen. Die genauen Fundorte werden aus Sicherheitsgründen natürlich nicht Preis gegeben.

4 neue Arten sind allein im April und Mai 2007 in der Wahner Heide entdeckt worden.

ECHTES FETTKRAUT (Pinguicula vulgaris)
Das Fettkraut ist eine fleischfressende Pflanze, die letztmalig in den 1920ern für die Wahner Heide beschrieben worden ist und nach militärischen Eingriffen als verschollen galt. Im April 2007 ist sie an einem Wanderweg neu aufgetaucht. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich um eine Ansalbung handelt. Aber ein natürliches Vorkommen kann aktuell noch nicht ausgeschlossen werden, da der Standort dem natürlichen Habitat entspricht und im entsprechenden Bereich erst vor kurzem der Baumbestand entfernt und entsprechend offene Tonböden geschaffen worden sind.
Das Echte Fettkraut ist landesweit vom Aussterben bedroht und gilt in der Niederrheinischen Bucht, zu welcher die Heideterrasse gehört, als ausgestorben.

ACKER-HAHNENFUSS (Ranunculus arvensis)
Pierre Lemaire vom Infozentrum Wahner Heide und Harald Geier haben diesen Archäophyt nährstoffreicher Lehm- und Tonäcker im Mai 2007 entdeckt. Er ist nur anhand der Früchte zweifelsfrei von anderen Hahnenfußarten wie dem häufigen Scharfen Hahnenfuß zu unterscheiden. Die Art ist landesweit als stark gefährdet eingestuft und bisher für die Wahner Heide nicht bekannt gewesen.

GROSSBLÜTIGE WICKE (Vicia grandiflora var. biebersteinii)
Lemaire und Geier haben ebenfalls diese seltene Varietät der Großblütigen Wicke erstmals in der Wahner Heide entdeckt. Sie ist eigentlich eine südosteuropäische Pflanze, die erst 1886 in Deutschland beschrieben worden ist. Sie scheint sich auf natürlichem Wege nach Norden auszubreiten und ist nun in der Wahner Heide aufgetaucht.

VENUS-FLIEGENFALLE (Dionaea muscipula)
Großes Verwunderung löste Anfang Mai der Fund von 12 Venus-Fliegenfallen in der Wahner Heide in einem tonigen Temporärgewässer aus. Die Pflanze ist nämlich ausschließlich in den Hochmooren der US-Bundestaaten North und South Carolina vorkommend. Sie ist eine monotypische Art, d.h. nahe Verwandte existieren nicht. Sie zählt aber zur Familie der Sonnentaugewächse, von denen es ja auch zwei natürliche Vertreter in der Wahner Heide gibt.
Und neben dem Rundblättrigen Sonnentau (Drosera rotundifolia) ist sie auch angepflanzt worden.
Sie wächst in ihrer Heimat auf vergleichbaren Böden. Auch das Klima ist relativ ähnlich, wenn auch die Temperaturunterschiede im Jahresverlauf und die Luftfeuchte im Osten der USA extremer sind. Ansalbungen wie vorliegende sind chancenlos, da sich die Pflanzen nicht im Laufe von Generationen in das neue Ökosystem integrieren konnten.
Gegen Neophyten, also seit Entdeckung der Neuen Welt neu einwandernden Pflanzen ist grundsätzlich nichts zu sagen. Was bedenklich stimmt, ist, das Zeitgenossen Naturschutzgebiete als botanische Gärten missbrauchen und negative Auswirkungen auf die heimische Flora billigend in Kauf nehmen. So wurden durch die Anpflanzungen der Fliegenfallen Wuchsorte des vom Aussterben bedrohten Zwerg-Leins (Radiola linoides) zerstört.
In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass das Einbringen von Tieren und Pflanzen im Naturschutzgebiet gesetzlich untersagt und strafbar ist, weil auf diese Weise die heimische Flora und Fauna geschädigt werden kann. Der vorliegende Fall wird angezeigt, strafrechtlich verfolgt und die Pflanzen aus der Fläche entnommen.

KEULENBÄRLAPP (Lycopodium clavatum)
Seit den 30iger Jahren galt der Keulen-Bärlapp als ausgestorben.
1999 entdeckte Werner Funken einen wenige Quadratmeter großen Bestand in einer Erica-Callunaheide. Seitdem dort Freistellungsmaßnahmen durchgeführt wurden hat sich der Bestand erheblich ausgebreitet, scheint der Bärlapp die Zwergsträucher mit seinen meterlangen Kriechstengeln zu überwuchern.

BIENEN-RAGWURZ (Ophrys rapifera)
Sie gilt als absolut kalkholde Pflanze und wurde daher für die Wahner Heide nie beschrieben.
Doch 2000 entdeckte Werner Funken 2 blühende Exemplare. Die Vermutung einer Ansalbung lag sehr nahe.
Doch im nächsten Jahr wurden bereits 12 blühende Exemplare gefunden, und Anfang Juni 2002 wurden mehr als 35 blühende Pflanzen entdeckt!
Das Vorkommen siedelt auf einer Aufschüttung, mit starker Beimischung nicht standörtlichen Materials. Das könnte der kuriose Grund für das Bestehen dieser Art, die ohne eine bestimmte Pilzart nicht überleben kann, sein.
Die Bienen-Ragwurz tritt in einer "merkwürdigen" Gesellschaft auf: U.a. Kuckucks-Lichtnelke, Honiggras und Rauhhaarwicke sind die ständigen Hauptbegleiter.

NASHORNKÄFER
Der Nashornkäfer hat als ursprünglich mediterrane Art dem Menschen immer wieder nach Mitteleuropa folgen können.
Waren es in vorigen Jahrhunderten Lohe- und Sägemehlhaufen, sind es seit dem 20. Jahrhundert Komposthaufen.
In einem Heuhaufen wurde der Nashornkäfer erstmalig in der Wahner Heide entdeckt - in Altenrath auf dem Gelände des Informationszentrum Wahner Heide wurde 1999 ein Tier entdeckt sowie bei der Umschichtung mehrere der sehr großen Larven gefunden.
Inzwischen ist er auch an anderen Stellen der Wahner Heide nachgewiesen worden.

H. Sticht



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